Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist sinnvoll für alle, die von ihrer Arbeitskraft leben und im Ernstfall keine ausreichende staatliche Absicherung haben. Welche Gruppen besonders betroffen sind und wann sie weniger passt, zeigt dieser Ratgeber.
Die gesetzliche Rentenversicherung zahlt eine Erwerbsminderungsrente nur, wenn du aus gesundheitlichen Gründen nur noch wenige Stunden täglich arbeiten kannst. Einen Schutz für den zuletzt ausgeübten Beruf gibt es für alle nach dem 1. Januar 1961 Geborenen nicht mehr.
Maßgeblich ist, wie viele Stunden du auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt noch arbeiten kannst, nicht ob du deinen Beruf noch ausüben kannst. Wer zum Beispiel als Handwerker seine Tätigkeit nicht mehr ausüben kann, aber noch sechs Stunden täglich in einem anderen Beruf arbeiten könnte, erhält in der Regel keine Erwerbsminderungsrente. Die Grundlage ist § 43 SGB VI.
Zusätzlich müssen Mindestversicherungszeiten erfüllt sein, unter anderem fünf Jahre Versicherungszeit und Pflichtbeiträge in drei der letzten fünf Jahre. Selbstständige und Berufsanfänger erfüllen diese Voraussetzungen häufig nicht. Wie hoch die Rente im Einzelfall ausfällt, kannst du bei der Deutschen Rentenversicherung erfragen.
Sinnvoll ist die BU grundsätzlich für alle, die ihr Einkommen aus eigener Arbeit beziehen und keine anderen Rücklagen oder Absicherungen haben, die einen langfristigen Ausfall tragen. Weniger passend ist sie, wenn Gesundheit oder Beruf einen Abschluss erschweren oder Rücklagen den Ausfall decken.
| Gruppe | Einschätzung | Hinweis |
|---|---|---|
| Angestellte | In der Regel sinnvoll | Die Erwerbsminderungsrente deckt den bisherigen Lebensstandard meist nicht ab. |
| Selbstständige und Freiberufler | Häufig besonders wichtig | Ohne Pflichtbeiträge besteht oft kein Anspruch auf Erwerbsminderungsrente. |
| Schüler, Studierende, Auszubildende | Sinnvoll, früher Abschluss lohnt | Mit jungem Eintrittsalter und guter Gesundheit sind die Beiträge meist niedriger. |
| Beamte | Prüfen, Absicherung vorhanden | Bei Dienstunfähigkeit gibt es Versorgung. Lücken entstehen oft in den ersten Dienstjahren oder bei Entlassung. |
| Menschen mit Vorerkrankungen | Im Einzelfall prüfen | Es kann Risikozuschläge oder Leistungsausschlüsse geben, manchmal ist eine Ablehnung möglich. |
Auch die Verbraucherzentrale Hamburg stuft die BU für Erwerbstätige als wichtig ein.
Die Qualität einer BU hängt an den Vertragsbedingungen, nicht allein am Preis. Entscheidend sind der Verzicht auf die abstrakte Verweisung, eine ausreichende Rentenhöhe und die Nachversicherungsgarantie.
Wer keine BU abschließen kann oder will, hat Alternativen wie die Erwerbsunfähigkeitsversicherung, die Grundfähigkeitsversicherung oder die Dread-Disease-Versicherung. Sie decken andere Risiken ab und leisten meist unter engeren Bedingungen.
Die Erwerbsunfähigkeitsversicherung zahlt erst, wenn du gar nicht oder nur sehr eingeschränkt arbeiten kannst. Die Grundfähigkeitsversicherung leistet beim Verlust bestimmter Fähigkeiten wie Sehen, Gehen oder Sprechen. Die Dread-Disease-Versicherung zahlt bei bestimmten schweren Erkrankungen. Alle drei sind in der Regel günstiger als eine BU, bieten aber einen schmaleren Schutz.
Die BU kostet laufend Beitrag, verlangt eine Gesundheitsprüfung und leistet nur bei nachgewiesener Berufsunfähigkeit. Sie ist kein Ersatz für Rücklagen und nicht für jeden zugänglich.
Sinnvoll ist sie ab dem Zeitpunkt, an dem du von deinem Einkommen abhängig bist, idealerweise schon in Ausbildung oder Studium. Mit jungem Eintrittsalter und guter Gesundheit sind die Beiträge meist niedriger und die Gesundheitsprüfung einfacher.
Als Richtwert werden häufig etwa 70 bis 80 Prozent des Nettoeinkommens genannt. Die Rente sollte Lebenshaltungskosten, Versicherungsbeiträge und weitere Vorsorge abdecken. Ob dieser Richtwert für dich passt, klären wir in der Beratung.
Einen Pauschalpreis gibt es nicht. Der Beitrag hängt von Beruf, Eintrittsalter, Gesundheitszustand, Rentenhöhe und Laufzeit ab. Ein Vergleich mehrerer Tarife zeigt, wie groß die Unterschiede im Einzelfall sind.
Für die meisten Berufstätigen reicht sie nicht, um den bisherigen Lebensstandard zu halten. Sie wird zudem nur gezahlt, wenn du weniger als sechs Stunden täglich arbeiten kannst und bestimmte Versicherungszeiten erfüllt hast.
Das ist im Einzelfall möglich, aber mit Risikozuschlag, Leistungsausschluss oder in manchen Fällen gar nicht. Wichtig ist, alle Gesundheitsfragen wahrheitsgemäß zu beantworten und die Anfragen vorab anonym zu prüfen.
Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist für die meisten Berufstätigen sinnvoll, besonders für Selbstständige, Angestellte ohne größere Rücklagen und Berufseinsteiger. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente deckt das Risiko nur eingeschränkt ab. Weniger passend ist sie bei bestehenden schweren Vorerkrankungen oder ausreichenden Rücklagen. Beim Abschluss zählen die Vertragsbedingungen mehr als der Beitrag allein.